Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich Linux auf dem Desktop oder Laptop wirklich ernsthaft genutzt habe. In der Schulzeit und später im Studium habe ich damit viel herumexperimentiert und ein Dual-Boot mit Windows und Linux eingerichtet. Trotzdem blieb Windows immer mein Hauptsystem. Viele Programme gab es damals einfach nur für Windows, die Hardware-Unterstützung von Linux war eher mäßig, und die meisten PC-Spiele liefen unter Linux nicht.
Heute ist mein Hauptsystem immer noch ein Windows-Desktop, und mit meinem „großen“ Rechner bin ich sehr zufrieden. Programme und Spiele laufen schnell, und auch mit Windows 11 komme ich (meistens) gut zurecht. Nicht zuletzt durch eine Projektwoche zum Thema Nachhaltigkeit an meiner Schule habe ich jedoch wieder über Linux als mögliche Alternative nachgedacht.
Der große Windows-Desktop verbraucht jedoch im Betrieb zwischen 80 und 150 Watt, unter Last zum Teil auch deutlich mehr. Klar, bei einem modernen Mehrkernprozessor und einer Grafikkarte aus dem oberen Leistungsbereich ist das keine große Überraschung. Außerdem geht mir auch Windows bzw. Microsoft manchmal auf die Nerven. Die Anbindung an die Online-Dienste von Microsoft wird inzwischen sehr aggressiv beworben und lässt sich kaum noch deaktivieren.
Ich nutze seit über zehn Jahren Nextcloud auf einem eigenen Server (natürlich mit Linux) und brauche OneDrive einfach nicht – auch wenn Microsoft ständig versucht, es mir unterzuschieben. Die neuesten KI-Entwicklungen rund um „Copilot“ sehe ich ebenfalls eher skeptisch.
Und dann gab es vor ein paar Monaten bei einem Händler für gebrauchte PCs ein Sonderangebot, dem ich einfach nicht widerstehen konnte: ein HP ProDesk 600 G4 Mini mit 8 GB RAM, 256 GB SSD, Intel Core i3-8100T und Windows 11 – für nur 99 € Der kleine PC kam schnell an und ich habe ihn an meine bereits vorhandenen Monitore angeschlossen und zusätzlich ein kabelloses Maus-Tastatur-Set gekauft. Jetzt kann ich mit jeweils einem Monitor beide Rechner gleichzeitig nutzen – praktisch für meine Linux-Experimente.
Die Windows-11-Installation auf der bereits eingebauten SSD des HPs wollte ich nicht löschen, daher habe ich eine zusätzliche M.2‑SSD eingebaut, auf der ich Linux installieren wollte. Bei der Auswahl der passenden Distribution habe ich ein wenig experimentiert und verschiedene Varianten ausprobiert: Ubuntu, KDE Neon, Linux Mint und openSuse waren mit dabei. Am Ende habe ich mich für Fedora entschieden. Ich war auf der Suche nach einer Distribution mit einer aktuellen KDE-Version, da KDE für mich die bevorzugte Desktop-Umgebung unter Linux ist. Mit Gnome bin ich dagegen nie wirklich warm geworden. Ein paar Tage lang habe ich KDE Neon getestet – eine Ubuntu-Variante, direkt von den KDE-Entwicklern. Leider lief das System bei mir sehr instabil, weshalb ich schließlich bei der KDE-Variante von Fedora gelandet bin.
Die Installation von Fedora war ein wenig umständlich, da das aktuelle Installationsprogramm schon etwas in die Jahre gekommen und nicht immer besonders intuitiv zu bedienen ist. Für die Gnome-Variante gibt es inzwischen eine modernisierte Version, die in Zukunft sicher auch bei der KDE-Variante zum Einsatz kommen wird. Nach der Installation präsentiert sich Fedora als ganz normale Linux-Distribution mit KDE-Desktop – allerdings, meiner Meinung nach, eine sehr gute. Die Updates und Pakete sind sehr aktuell und werden zuverlässig gepflegt. Ich habe bisher kaum Bugs oder Fehler erlebt, die auf die Distribution selbst zurückzuführen wären.
Die Paketverwaltung läuft über die KDE-Software Discover. Darüber lassen sich sowohl RPM-Pakete als auch Flatpaks bequem verwalten. Aus Nutzersicht ist im Alltag zwischen beiden Formaten kaum ein Unterschied zu erkennen – auch die Installation funktioniert im Prinzip gleich. Unterschiede gibt es eher bei der Aktualität und Pflege der Pakete. Je nach Anwendung kann mal das RPM‑, mal das Flatpak-Paket die bessere Wahl sein.
Und dann gab es bei dem Händler ein paar Monaten später, einen gebrauchten HP-Laptop im Angebot. Für etwas weniger als 300€ gab es einen HP EliteBook 840 G6 im sehr guten Zustand. Dessen Windows-Installation habe ich völlig gelöscht und auf dem Laptop läuft wie auf dem Desktop Fedora mit KDE, inzwischen in der Version 43.
Sowohl Laptop als auch Desktop nutze ich regelmäßig. Mit beiden Gebrauchtgeräten habe ich wirklich Glück gehabt, denn ihr Zustand ist tadellos. Der HP-Laptop hält trotz des gebrauchten Akkus problemlos ein paar Stunden durch, und der HP-Desktop ist eine leise, energiesparende Alternative zu meinem großen Windows-Rechner, er verbraucht zwischen 7 und 30 Watt Strom.
Auf beiden Systemen laufen selbstverständlich Browser wie Firefox oder Google Chrome, sodass sich ein Großteil des Alltags ohne Einschränkungen erledigen lässt. Lediglich bei manchen Streaming-Diensten greift ein Kopierschutz, der unter Linux nicht unterstützt wird.
Dank meiner Nextcloud habe ich alle wichtigen Dateien jederzeit zur Verfügung und kann sie schnell synchronisieren. Mit LibreOffice lassen sich Office-Dokumente ebenfalls gut bearbeiten – auch wenn ich dabei vorsichtig bin. Immer wieder kommt es zu kleineren Layout-Problemen, wenn ich dieselben Dateien mit MS Office und LibreOffice bearbeite.
Dank Steam von Valve laufen viele Spiele mittlerweile auch unter Linux sehr ordentlich. Die einzige echte Begrenzung ist oft die Hardware: auf meinen Geräten sind es in der Regel eher ältere oder Indie-Spiele, die flüssig laufen.
Linux ist in den letzten Jahren weit gekommen. Für mich ist es aktuell keine vollständige Windows-Alternative – aber eine sehr spannende Ergänzung, die immer wieder Spaß macht.








